Endlich wieder Heart and Soul - Die ersten Drehtage seit März

Natürlich jammern auch wir seit Monaten in den höchsten Tönen. Eigentlich hätte in rund sechs Wochen unsere Premierenveranstaltung stattfinden sollen. Corona hat uns jedoch den Zeitplan gehörig verhagelt, deshalb war es umso schöner für uns, dass am vergangenen Wochenende endlich wieder unsere Kameras für “Heart and Soul” laufen konnten. Zum ersten Mal seit dem Shutdown im März machten wir uns wieder auf, um Protagonisten für unsere Musikdoku über die Suche nach Erfolg zu interviewen. An diesem Doppeldrehtag standen zwei der wichtigsten Interviews an: Zuerst am Samstag mit Wolfgang “WoRi” Richter, dem ehemaligen Lichtmann unserer Hauptdarsteller von Scaramouche und am Sonntag mit Lothar Strunk, dem Production Manager von Deep Purple, der bereits für Tourneen der Scorpions, Uriah Heep, Gotthard, A-Ha und vielen mehr als Manager verantwortlich war.

Gert Endres als Frontman von OIL in unserem Konzertfilm

Am Samstag ging’s los, einmal mehr im Schlachthof Lahr. Dort kennen wir uns mittlerweile bestens aus - im Sommer drehten wir dort nämlich insgesamt sechs Konzertfilme mit süddeutschen Ausnahmekünstlern. Als Corona-Unterstützung für die regionale Kulturszene. Da war übrigens auch OIL dabei, die Band der ehemaligen Scaramouche-Mitglieder Gert Endres und Marc Vetter - und über diesen Dreh berichten wir hier im Blog ganz sicher noch. Versprochen…


Wolfgang "WoRi" Richter, James Brown und nicht gelöschte Filmaufnahmen


Aber zurück zum eigentlichen Thema: Im Schlachthof Lahr erwartete uns ein entspannter Wolfgang Richter. WoRi, wie er hier genannt wird, war viele Jahre lang treu an der Seite unserer Protagonisten von Scaramouche und kennt die Band auch noch aus der Zeit, als sie zu fünft unter dem Namen Acres Wild auf Tour waren. Klar, dass da so einige Anekdoten ans Tageslicht kamen. Anekdoten wie zum Beispiel ein denkwürdiges Erlebnis als Roadie von Scaramouche, das in einer beinahe handfesten Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Manager von James Brown mündete. WoRi hatte auf dem Daytona-Festival 1997 nämlich die Frechheit besessen, eine laufende Filmkamera auf den "King of Soul" zu richten, während dieser sich Backstage den Auftritt von Scaramouche ansah. “Delete it!”, so die wohl recht aggressive Ansage des Managers, der WoRi glücklicherweise nicht nachkam. Mithilfe des deutschen James-Brown-Managers (Ja, er hatte tatsächlich gleich zwei Manager dabei) konnte WoRi das Band retten. “Sie tun jetzt einfach so, als würden Sie das Band löschen - und ich versichere meinem Kollegen, dass Sie es gelöscht haben”, zeigte sich WoRis Manager-Landsmann kooperativ. Ein Glück, denn mittlerweile stehen die Aufnahmen in unserem gut gefüllten Archiv. Wäre auch zu schade, diese Bilder nicht im Film unterbringen zu können. Danke, WoRi, für deine Courage.


Screenshot von der beinahe gelöschten Aufnahme - James Brown Backstage bei Scaramouche


Mit Lothar Strunk im Jazzhaus


Bereits am nächsten Tag ging es weiter für uns, dieses Mal im Jazzhaus Freiburg, mit keinem geringeren als Deep-Purple-Productionmanager Lothar Strunk. Bereits die Ankunft in Freiburg bot eine lustige Überraschung für uns, grinste uns doch am Eingang unser alter Schulkollege Nick entgegen. Er arbeite gerade fürs Jazzhaus und solle uns alles aufschließen, erklärte er uns. Zufälle gibt’s… Jedenfalls trudelte nach einiger Zeit auch Lothar Strunk im Jazzhaus ein - für das Interview hatte er sich extra aus München auf den Weg gemacht. Mit dem Zug. “Ich habe diese Band geliebt”, erklärte er uns später. Was für eine Aussage von einem Mann, dessen Karriere als Studiotechniker bei Aufnahmen der Scorpions begann, der später für den Live-Sound für Marius Müller Westernhagen und Herbert Grönemeyer zuständig war, danach die Welttournee von A-Ha managte und heute als Production Manager von Deep Purple um die Welt jettet. Kaum eine Rockband, mit der er noch nicht gearbeitet hat - und dennoch nennt er sich noch heute einen Fan von Scaramouche.


Lothar Strunk während des Interviews im Jazzhaus

“Wenn die auf der Bühne standen, waren sie einfach immer voll da”, erzählte er uns. Dieses Gefühl habe er unbedingt auf CD bannen wollen, deshalb richtete er der Band Ende der 90er Jahre ein komplettes Recording-Studio in ihren Proberaum ein. Warum es trotzdem nicht zum großen Durchbruch gereicht habe? “Ich weiß es nicht”, sagt er heute und man sieht ihm an, dass ihn diese Frage noch immer beschäftigt: “Eigentlich hatte die Band alles, was es braucht.” Einige Theorien, warum es dennoch nicht geklappt hat, gab er aber natürlich trotzdem zum Besten - die verraten wir aber erst im Film. Ist ja klar.


Nach einem rund vierstündigen Interview machten wir uns noch an einige Schnittbilder im Jazzhaus. Dort hatte im Jahr 2001 nämlich das Abschiedskonzert von Scaramouche stattgefunden und von dort stammen auch die vielleicht besten Live-Audioaufnahmen von Scaramouche - mit Live-Sound von Lothar Strunk, der daraus gerne ein Live-Album produziert hätte. “Leider scheint es dafür kein interessiertes Plattenlabel mehr gegeben zu haben”, meint er. Stattdessen löste sich die Band noch im selben Jahr auf. Dafür kommen die Aufnahmen jetzt eben in unseren Film. Übrigens, eine Aufnahme von “Behind The Smile” von eben jenem Konzert könnt ihr auf der Startseite nachhören.


Wir drehten also noch bis in den späten Abend im Jazzhaus, während Lothar wieder die Heimreise antrat. Wieder mit dem Zug, wieder nach München. Und irgendwann waren dann auch wir abreisebereit. Unser Schulfreund Nick hatte uns wieder vom Hals und konnte das Jazzhaus abschließen. Und wir fuhren mit tonnenweise neuen Informationen nach Hause, in freudiger Erwartung unseres nächsten Drehtags.