“Project United” - Wie 70 Musiker aus 10 Ländern einen Scaramouche-Song einspielten

So war das ja nun wirklich nicht geplant. Eigentlich hatten wir erwartet zum jetzigen Zeitpunkt mit den Dreharbeiten für “Heart and Soul” weitestgehend fertig zu sein. Bereits den Mai hatten wir komplett für den Filmschnitt eingeplant und im Dezember hätte dann ja eeeigentlich die Premieren-Gala starten sollen. Doch dann kam Corona. Und damit verbunden eine völlig neue Situation im Filmbusiness - die natürlich auch uns trifft.

Marc Vetter beim Dreh für das Intro von Heart And Soul

Filmdrehs sind in der Corona-Krise nicht möglich, einige Protagonisten unserer Doku leben sogar im Ausland - selbst wenn sie wollten, sie könnten derzeit gar nicht pünktlich am Set erscheinen.


Und so streichen derzeit die Wochen ins Land ohne dass wir nennenswert vorankommen mit unserem Projekt.



Schlimmer noch: Dringend benötigte Sponsoren für die Ausrichtung der Premieren-Gala sind nun natürlich “abgetaucht”.


Corona bringt uns also nicht nur in Zeit-, sondern auch in Finanzierungsprobleme. Die Badische Zeitung titelte unlängst: “Corona stoppt den Scaramouche-Film” und genauso ist es. Corona hat unser Projekt auf Eis gelegt. Für wie lange - keine Ahnung.

“Project United” - 70 Musiker aus zehn Ländern und ein Statement an die Welt

Umso schöner ist deshalb unser “neues Projekt” das nun sogar zu einer Spendenkampagne für die Hilfsorganisation Handicap International wurde. Einen Film finanzieren kann man so zwar auch nicht, aber immerhin viel Freude bereiten. Und das ist gerade in diesen Zeiten ja wirklich viel wert.

Aber dazu später mehr. Mit “Project United” starteten wir vor rund einer Woche eine absolute Hau-Ruck-Aktion. Wenn sowieso alles still steht - warum dann nicht einen alten Scaramouche-Song neu produzieren? Als Dankeschön an alle, die seit Monaten auf den Scaramouche-Film warten - und als Durchhaltesong an all jene, die von der Corona-Krise betroffen sind.


Wir riefen Gert (Endres, Gitarrist und Songwriter von Scaramouche) an und erzählten ihm von der Idee. “Klar”, sagte er: “Super Idee! Das MUSS Side By Side sein!!” Den alten Scaramouche-, bzw. Acres-Wild-Song “Side By Side” hatten wir vom Heart-and-Soul-Team schon immer gemocht, aber jetzt in der Corona-Zeit erschien er uns umso passender. Auch wir hatten bereits an den Titel gedacht und so kam es, dass Gert Endres sich gemeinsam mit Maik (Styrnol) an eine Neu-Produktion wagte.

17 der "paar Freunden", die in der Produktion mitgewirkt haben.

Die Ex-Scaramouche-Bandmitglieder sagten der Reihe nach zu. Doch dann kam Maik auf die “folgenschwere” Idee: “Warum fragen wir nicht noch ein paar Freunde, ob sie auch mitspielen?”

“Project United” war geboren. Am Ende wurden aus diesen “paar Freunden” 70 Musiker, die sich quer über den Erdball verteilt hatten und wegen der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Corona-Virus allesamt in ihren Wohnungen festsaßen. Ein echtes Isolations-Orchester - die Musiker nahmen ihre Parts des Songs auf und filmten sich dabei, die Videos und Audios schickten sie zu uns ins punchline studio.

Neben vielen großartigen Musikern aus der Lahrer Musikszene unterstützten uns eine Sängerin aus Litauen, eine weitere aus Portugal, zwei Pianistinnen und ein Trompeter aus der Ukraine und sogar ein deutscher Drummer, der nach Thailand ausgewandert ist - insgesamt beteiligten sich Künstler aus zehn Ländern an der Neuproduktion von Side By Side.

Musik kennt keine Grenzen - dieses Projekt ist der Beweis dafür, freute sich der ebenfalls beteiligte italienische Gitarrist Marco Siniscalco aus Neapel. Aus dem Scaramouche-Klassiker war ein modernes Statement der europäischen Kunstszene geworden: “They shut the system down, but we’re still around” (Sie schalten das System ab, aber wir sind noch hier) singen die Musiker am Ende der ersten Strophe. Niemand ist alleine. Wir sind gemeinsam stark.

  • Europa hat zusammengefunden - in einem Song” - SWR 1 über das “Project United”

Maik puzzelte tagelang. Das Los des Musikproduzenten. Audiospur um Audiospur, Ton um Ton, Clip um Clip entstand langsam ein fertiges Kunstwerk. In der Nacht vom 31. März auf den 01. April luden wir das fertige Video auf Youtube hoch. Nach wenigen Tagen wurde der Song bereits über 24.000 Mal auf Youtube angesehen. “Musik rettet vielleicht nicht die Welt, aber sie kann Hoffnung geben! Danke. Großartig!” schrieb ein Nutzer auf Youtube und ein weiterer gab zu: “Ich hatte schon lange nicht mehr so eine Gänsehaut wie bei diesem Lied!”

Bald berichteten auch die Medien über den Song, sogar die SWR Landesschau kam vorbei: “Eine Hymne für Zusammenhalt” steht seit Freitag in der ARD Mediathek zu lesen und SWR1 erklärte: “Europa hat zusammengefunden - in einem Song.”

Der österreichische Kurier verglich das Video gar mit Michael Jacksons “Heal the World”. Es ist kaum zu glauben. Schnell stand das Video bei unglaublichen 25.000 Klicks auf Youtube und wuchs immer weiter.

Wir begannen zu ahnen, dass diese Reichweite vielleicht auch anderen helfen könnte - und so kam es zur Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Handicap International, einer Organisation die sich um die Belange von Menschen mit Behinderung und besonders schutzbedürftigen Menschen in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen kümmert.


Die haben es in Zeiten der Corona-Pandemie natürlich besonders schwer: Nahezu alle 55 Projektstaaten von Handicap International sind derzeit vom Coronavirus betroffen. Eine wirklich unglaubliche Zahl... "Helft uns zu helfen" ist deshalb nun der neue Aufruf von Project United. Helft uns, Spenden für Handicap International zu generieren, damit sich das Leid überall auf der Welt in Grenzen hält. 70 Musiker aus 10 Ländern geben dafür ihre Stimme - bitte macht mit, spendet und erzählt es weiter.


Spendenseite von Handicap International


Ein Scaramouche-Song ist nun also ganz plötzlich wieder in aller Munde und mehr noch: Vielleicht hilft er sogar schutzbedürftigen Menschen in aller Welt. 19 Jahre nach der Bandauflösung und 30 Jahre nachdem der Titel zum ersten Mal aufgeführt wurde. Was für eine schöne Geschichte. So richtig begreift noch keiner von uns was da genau passiert ist. Eigentlich wollte Maik ja nur “ein paar Freunde” fragen. Zum Glück hat er’s getan….