Der Scaramouche-Film - Wo fängt man an?

Wo und wie fängt man an, für ein so großes Doku-Projekt zu arbeiten? Was in einem Blogartikel erstmal wie ein unspektakulärer Einstiegssatz klingt, wurde für unser Filmteam im September 2018 die absolute Kernfrage - das war lange, bevor die ehemaligen Bandmitglieder von Scaramouche überhaupt von unserer Idee wussten.

Unser Kreativteam, bestehend aus den Lahrer Brüdern Pirmin Styrnol und Maik Styrnol, kannte die Band Scaramouche aus Lahr zwar schon seit seiner Kindheit, denn wir waren mit der Musik aufgewachsen und mit der groben Geschichte der Rockband vertraut - doch für eine abendfüllende Kinodokumentation reichte das Styrnolsche Wissen natürlich auch nicht aus. Auch wenn die Lyrics und Songtexte von “Heart and Soul”, “Born in December” oder “Come on Belle” immer noch sitzen.

Nein, jetzt mussten die Eckdaten her. Die Ups and Downs der Band, ein grober Umriss der möglichen Story. Alles um Gewissheit über die Kernfragen eines jeden Filmprojekts zu erlangen: Ist die Geschichte Stoff für einen Film? Und wenn ja - gibt es überhaupt genügend Bildmaterial, um die Geschichte zu transportieren? Und außerdem: Interessiert die Geschichte überhaupt jemanden außer uns selbst..?


Wir begannen mit einer knappen Internetrecherche - zu finden war erstmal nicht viel. Die drei Studio-Alben von Scaramouche entdeckten wir nirgends, Zeitungsartikel waren nicht digitalisiert und schon gar nicht online gestellt. Als sich die Band im Jahr 2001 auflöste, waren die Zeitungen noch nicht im großen Stil online vertreten. Zumindest nicht jene in Lahr und Region. Berichte über Scaramouche fanden sich daher nicht viele. Dennoch konnten wir über diesen Weg einige Journalisten ausfindig machen, die über die Band Scaramouche berichtet hatten. So erhielten wir erste Informationen.


Spielt die Band mit?

Unser nächster Schritt lautete: Frag die Band selbst. Also telefonierten wir die Bandmitglieder ab. Über Frontman Frank Vetter, der bereits mehrfach bei Maik Styrnol in dessen Lahrer Tonstudio für Aufnahmen zu Gast gewesen war, gelangten wir an die Kontaktdaten der restlichen Scaramouche Bandmitglieder. Frank war sofort Feuer und Flamme und schnell waren auch Gitarrist Gert Endres, Drummer Marc Vetter und Bassist Thomas Schwendemann überzeugt von der Filmidee: Ein Film über die Lahrer Rockband Scaramouche. Für die einen eine Art Klassentreffen nach über 17 Jahren, für die anderen ein Treffen mit jenen Musikern, deren Musik seit ihrer Kindheit im CD-Player hoch und runter lief. “Eine Ehre”, wie alle unisono verlauten ließen. Für beide Seiten.


Glücklicherweise hatte Schlagzeuger Marc Vetter von der ersten Probe 1984 (damals noch unter dem Namen “Acres Wild”) bis zur Bandauflösung 2001 ein Bandtagebuch geführt. Drei Bücher insgesamt, Einträge aus beinahe jeder Woche. Wir besuchten also den frühen Proberaum von Scaramouche in einem alten Nato-Bunker am Lahrer Flugplatz. Und wir fanden Bandgeschichte en masse: alte Backstagepässe, Zeitungsartikel, ein paar Videotapes und sogar Originalbänder von CD-Aufnahmen. Eine absolute Schatztruhe für die Filmemacher. Und so füllte sich das Archiv….


“Scaramouche Band” auf Facebook

Doch das reichte noch nicht. Mehr Archivmaterial musste her. Und außerdem war die letzte Frage noch nicht geklärt: Ist das Thema relevant? Will jemand diesen Film sehen? Aus heutiger Sicht: Ja!

Durch die Mithilfe vieler Medienhäuser aus der Region erreichte die Nachricht von unserem Vorhaben eine ganze Schar alter Scaramouche-Fans. Band-Roadies, Manager, Edel-Fans und einfach nur Neugierige antworteten uns via Mail, Whatsapp und Facebook-Messenger. Wir bekamen Nachrichten aus Lahr und

Ein Teil der "gefundenen" Hi8-Tonaufnahmen

aus Bühl, aber auch aus München, Hannover, Luxembourg und sogar London. Scaramouche-Fotos, Scaramouche-Videos, Scaramouche-Zeitungsartikel, sogar Scaramouche-T-Shirts: Scaramouche existierte auf Dachböden und in Kellerräumen - und natürlich bei vielen noch immer im CD-Regal. Auf Facebook gründete ein alter Fan voller Enthusiasmus sogar eine Facebook-Gruppe namens “Scaramouche Band”. Innerhalb weniger Tage hatte die Gruppe 200 Mitglieder. Nicht schlecht für eine Rockband, die seit über 17 Jahren kein Konzert mehr gegeben hat…….

An Weihnachten 2018 war für die Film-Crew klar: Alle redaktionellen Fragen sind beantwortet. Nach drei Monaten intensiver Recherche, Pressearbeit, Vorab-Interviews und Materialsichtung konnten wir glücklich verkünden: Der Scaramouche-Film wird Wirklichkeit.


Die zweite “Kernfrage”

Jetzt galt es eine letzte Frage zu beantworten - die andere Hälfte jeder Filmproduktion. Die letzte große Frage: Wie bezahlen wir den ganzen Spaß? Und an der Beantwortung dieser Frage arbeiten wir jetzt. Unter Hochdruck und angetrieben von den vielen Zuschriften, die nach wie vor täglich eintrudeln. Und wir sind uns sicher: Irgendwie schaffen wir auch das. Wie das Sponsoren-Suchen und -Finden läuft, das erzählen wir bald hier im Blog. Spannend bleibt es in jedem Fall - und das alles, bevor die Produktion überhaupt offiziell begonnen hat.