Film ab! Der erste Interview-Drehtag - Apostelsee und andere Geschichten

Fast eineinhalb Jahre hat die Vorbereitung gedauert, am Montag war es endlich so weit: Der offiziell erste Drehtag für unsere Dokumentation “Heart and Soul” konnte beginnen. Schon seit Wochen fühlten wir uns ein wenig wie ein Rennpferd im Stall - das gesamte Team konnte es nicht mehr erwarten, endlich loslegen zu dürfen.

Und was sollen wir sagen? Das Wetter erlaubte sich einen schönen Spaß mit uns. Anstelle des erwartet bewölkten Himmels und nasskaltem Herbstwetter, bescherte uns der 14. Oktober knallende Sonne und hochsommerliche 27 Grad. Also schwitzten wir gemeinsam mit unserem ersten Protagonisten in der Sonne. Den störte das aber wenig, denn Walter Holtfoth war dank seines charakteristischen Hutes bestens vorbereitet…


Walter Holtfoth in der Interview-Position

Los ging’s um 12 Uhr, Drehstart am Apostelsee in Ettenheim. Warum? Weil dort vor genau 31 Jahren der erste Geburtstag von “Cleopha 87” begangen wurde - eine Riesenparty von und für Walter Holtfoths rollende Diskothek. Das wollten wir uns genauer ansehen, auf die alten “Kriegsgeschichten” waren wir schon sehr gespannt. Und davon gab es eine ganze Menge: Für das zweitägige Open-Air-Festival hatte Walter Holtfoth sogar die DDR-Band “City” eingeflogen, außerdem spielten “China” aus der Schweiz und “Kingdom” aus Hannover.


Walter Holtfoth, Pirmin Styrnol und Maik Styrnol auf dem ehemaligen "Cleopha"-Gelände

Ein Line-Up, das damals für ziemlich viel Geld zusammengestellt wurde. Nicht zum Besten für seinen Geldbeutel, wie Walter uns erzählte, dafür aber zum Besten für die Stimmung. “Am Ende waren wir pleite - aber das war’s wert!", lachte er im Interview.

Warum das alles für unseren Film spannend ist? Weil natürlich auch lokale Bands auf der Bühne standen. “Common Intention” zum Beispiel, die in der Lokalpresse schwer gelobt wurden, aber auch eine Band, die für unseren Film eine Hauptrolle spielt: Scaramouche-Vorgänger “Acres Wild” mit Kai Escher als Frontman, Gert Endres an der Gitarre, Frank Vetter am Keyboard, Roland Fehrenbach am Bass und Marc Vetter an den Drums. “Mit Acres Wild kam zum ersten Mal Stimmung auf”, schrieb die Lahrer Zeitung im August 1988 in ihrem Artikel über das Festival und auch bei Walter Holtfoth leuchten noch immer die Augen, wenn er über die Band spricht.


“Sie waren damals ihrer Zeit voraus”, findet er heute und schwärmt vom vierstimmigen Satzgesang und der Bühnenpräsenz von Kai Escher und Gert Endres: “Natürlich waren das alles irgendwie Poser, aber das waren ja alle, die auf der Bühne standen.” Und auch wenn Songs wie “Tell me How” oder “I’ll be There” schon lange nirgends mehr im Radio zu hören sind - Walter summt noch immer mit, als wir beim Dreh die Lautsprecher aufdrehen. Der Refrain sitzt noch.


Kanadier, Rockmusik und Plattenlabels

Nach einigen Stunden Dreh am Apostelsee ging’s dann für die große Fragerunde in die Stadt. Freundlicherweise überließen uns die Kollegen von der Kulturschmiede e.V. tatsächlich ihre gesamte Location für den Abend und übergaben uns dafür sogar den Schlüssel - bessere Unterstützung kann man sich natürlich nicht wünschen. Das erste Interview-Setting für unsere “Rockumentation” deshalb: das Rockcafé Altdorf. Wie passend.


Das Filmteam und Walter Holtfoth beim Interview

Wie viel Arbeit so ein Film-Interview dann macht, merkt man wie immer erst, wenn man dabei ist. Eineinhalb Stunden dauerte alleine das richtige ausleuchten des Raumes. Maik Styrnol und Kameramann Lukas Karl von unserem Partner “vidream Bewegtbild” sprangen sprichwörtlich im Dreieck: Das Licht vielleicht ein bisschen weiter nach links? Und den hinteren Spot weiter ins Eck? Blau? Oder Orange? Oder vielleicht doch weiß? Eineinhalb Stunden später standen tatsächlich Licht und Kulisse, dann machte sich Angelika Kovalenko ans Make-Up für unseren Protagonisten.


Regisseur Pirmin Styrnol während dem Interview

Rund zwei Stunden dauerte die gesamte Vorbereitung, bevor Regisseur Pirmin Styrnol endlich die erste Frage stellen durfte. Über was in den folgenden 90 Minuten alles gesprochen wurde, das verraten wir natürlich noch nicht. Schließlich sollt ihr euch den Film ja auch noch ansehen.

Aber soviel können wir verraten: Es ging um Musik, um die “Szene” der 80er und 90er, um Privatradios und Plattenlabels, um Tanzveranstaltungen, Lokaljournalismus, kanadische Streitkräfte in Lahr und Kulturunterstützung in der Ortenau. Um Cleopha 87, die Band “MP” und Lahr im Allgemeinen. Ein spannendes Round-Up, nicht ausschließlich für Scaramouche- und Acres-Wild-Fans. Auch wenn es natürlich immer wieder um die vier Musiker von Scaramouche und die Acres-Wild-Zeit ging.


Maik Styrnol und erster Kameramann Lukas Karl beim Dreh mit Walter Holtfoth

Am Ende unseres knappen 13-Stunden-Tages stand für unser punchline studio und unseren ersten Kameramann Lukas fest: Es hatte sich gelohnt. Das Feierabendbierchen schmeckte richtig gut und das erste Sichten des Materials machte wirklich Spaß. Ein guter Anfang.


Ein bisschen Werbung muss noch sein

Übrigens, ein bisschen Werbung für das Rockcafé Altdorf machen wir jetzt auch noch: Spätestens am 30. November solltet ihr unbedingt mal in die Industriestraße nach Ettenheim pilgern. Dann steht dort nämlich die Hardrock-Band “OIL” auf der Bühne - mit unseren beiden Protagonisten Gert Endres (Gesang, Gitarre) und Marc Vetter (Drums, Gesang) sowie Rainer Jauch (Bass, Gesang).


Wer wissen will, was OIL so drauf hat, dem haben wir noch einen Tipp: Wir haben vor kurzem einen 70-Minütigen Konzertfilm von und mit OIL produziert. 



Hier geht’s zum ganzen Film im Stream:



Natürlich werden wir bei dem Konzert auch selbst vor Ort sein. Wer also Fragen und Anregungen zu unserer Doku “Heart and Soul” hat - wir sind immer für ein Gespräch zu haben. Sprecht uns einfach an, wir freuen uns!